Kommunikation - was ist das?

Wir alle leben in einem Geflecht sozialer Beziehungen. Von klein auf hat uns dieses Netz bestehend aus den relevanten Bezugspersonen (Eltern, Geschwister, Freunde, Verwandte, Mitschüler, Lehrer, Kollegen etc.) geprägt, hat unser Verhalten, unsere Einstellungen beeinflußt und hat schließlich zu dem geführt, was Sie und ich als unsere eigene unverwechselbare Persönlichkeit betrachten. Sicher sind wir nicht nur ein Produkt unserer sozialen Beziehungen, unsere genetische Ausstattung und die materiellen Bedingungen haben ebenfalls ihren Einfluß, aber auch diese entfalten ihrer Wirkung in aller Regel erst durch die Auseinandersetzung bzw. das Zusammenwirken mit der sozialen Umwelt.

Einerseits erleben wir uns also als einzigartig (eben als "ich"), andererseits sind wir aber auch eingebettet in ein Netz sozialer Beziehungen, von dem wir relativ abhängig sind. Auch wenn wir mit einem starken Selbstbewußtsein ausgestattet sind, sind wir nicht unabhängig von diesem Netz, sondern befinden uns im Gegenteil in einer starken Abhängigkeit. Niemand kann auf Dauer wirklich allein sein. Die Eremiten sind kein Gegenbeispiel sondern eher ein Beleg für die Richtigkeit dieser These. Es gibt gute Gründe, die ihnen zuteil gewordenen Erleuchtungen als Halluzinationen zu betrachten, die durch die soziale Isolierung ausgelöst wurden.

Obwohl wir es also von klein auf gewohnt sind, in sozialen Beziehungen zu leben, sind doch gerade diese für viele Menschen eine Quelle von Problemen. Auch wenn man von den wirklich therapiebedürftigen Fällen absieht, in denen sich jemand z. B. überhaupt nicht mehr aus der Wohnung traut (auch wenn solche Fälle gar nicht so selten sind), haben doch die meisten Menschen bestimmte Schwierigkeiten im sozialen Bereich:

Wenn Sie zu allen diesen Problemen aus ehrlichem Herzen sagen können, daß Sie sie überhaupt nicht haben, dann sind Sie - zumindest in dieser Hinsicht - ein wahrhaft perfekter Mensch. Aber solche perfekten Menschen gibt es wenig, die meisten werden wohl in einem oder mehreren der ober angesprochenen Bereiche etwas Schwierigkeiten haben.

Wenn Sie jetzt das Buch noch nicht beiseite gelegt haben, gehen wir davon aus, daß auch Sie zu denen gehören, die in dem einem oder anderen Punkt gewisse Probleme haben. Wir wollen versuchen, im folgenden hierfür Lösungen zu erarbeiten.

Bevor wir jedoch weitermachen, sollten wir uns erst einmal die Frage stellen, wohin wir wollen. Wie möchten Sie gern werden? Möchten Sie mehr Selbstvertrauen, mehr Selbstbewußtsein oder eine bessere Selbstwahrnehmung, möchten Sie evtl. vorhandene Hemmungen ablegen, oder möchten Sie sich nur einfach in dem sozialen Beziehungsnetz, in dem Sie sich bewegen, erfolgreicher sein?

Vielleicht sind Ihnen zu dieser Frage noch andere Ziel in den Sinn gekommen. Wir glauben aber, daß diese Persönlichkeitsmerkmale sich alle gegenseitig bedingen: Nehme ich mich selbst besser wahr, steigt mein Selbstbewußtsein, und ich werde ich mich in sozialen Beziehungen erfolgreicher verhalten. Bin ich erfolgreich, gewinne ich daraus neues Selbstvertrauen. Habe ich mehr Selbstvertrauen, sinkt meine Angst in sozialen Situationen u. s. w. Wir haben es hier also nicht mit voneinander unabhängigen Merkmalen zu tun, sondern mit einem Merkmalskomplex. In der Psychotherapie hat man dem dadurch Rechnung getragen, daß man den Begriff der "sozialen Kompetenz" eingeführt hat, der alle die Merkmale und Verhaltensweisen umfaßt, die eine Person dazu befähigen, seine sozialen Interaktionen erfolgreich und für sie selbst befriedigend zu gestalten.

Wir möchten mit diesem Buch dazu beitragen, Ihre soziale Kompetenz zu verbessern. Dies erreicht man natürlich nicht durch Lesen allein. Wir werden deshalb an vielen Stellen Übungen vorschlagen, denn wirkliche Veränderungen erreicht man nur dadurch, daß man etwas neues ausprobiert, daß man sich z. B. auch gestattet, erst einmal Fehler zu machen. Eine Veränderung wird auch nicht von einem Tag auf den anderen eintreten. Viele kleine Fort-Schritte sind notwendig.

Viele Therapiepatienten haben z. B. durchaus eine richtige Vorstellung davon, was sie tun müßten, um ihre Probleme zu überwinden. Sie berichten sogar häufig über Selbsttherapieversuche, die denen, die in der "richtigen" Psychotherapie durchgeführt werden, im Grundsatz sehr ähnlich sind. Sie machen dabei eigentlich nur zwei Fehler: Erstens überfordern sie sich, sie machen keine kleinen Schritte, sondern versuchen immer, den einen großen Schritt zu tun, der alle ihre Probleme überwindet. Zweitens würdigen sie erfolgreich absolvierte kleine Schritte nicht entsprechend, ja sie empfinden sie sogar oft als Mißerfolg, weil sie den Erfolg immer an dem großen Ziel der endgültigen Überwindung ihres Problems messen, und gemessen daran sind kleine Schritte natürlich kein Erfolg.

Bevor wir auf konkrete Veränderungsvorschläge kommen, müssen wir uns zunächst mit etwas "Theorie" beschäftigen. Genauer ausgedrückt, wir müssen uns etwas grundlegender damit befassen, was in einer sozialen Interaktion stattfindet, welche Prozesse laufen in und zwischen den beteiligten Personen ab.

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